Das ist Kunst

Veröffentlicht am 27. Januar 2026 um 18:05

Das ist Kunst 01

Aus Umbruch und Bedrohung formt sie Sicherheit. Aus Zerstörendem das Gerechterer, das Bessere. Aus allen Möglichkeiten wählt sie Freies und Friedliches. Aus Verlorenem bildet sie Glück. Aus Ohnmacht Atem. Aus Atem Schönheit. Füreinander statt Gegeneinander-sein, das ist Kunst.

 

Das ist Kunst 02

Rätsel lösen, Grenzen vermessen, Gründe und Abgründe ausloten, dem Klugen einen Mantel weben, der Moral das große Bett bereiten, Aufdecker und Andersdenker-sein, ist nicht die Kunst. Lob und Tadel, Aufbau und Vernichtung, Wegweisung und Gesetz, Auf und Weckruf ist nicht die Kunst. Wo das Begreifen endet, wo das Staunen beginnt, wo das Unsagbare große Augen hat und alles atmet und Herzschlag hat, heute, morgen und immer ist die Kunst.

 

Das ist Kunst 03

Nichts vermag sie auf oder abzuwerten. Kein Preisschild, kein Diskurs. Weder Lob noch Tadel. Für sie gibt es keine Waage. Keinen Detektor, der sie anzeigt. Weder Maßband noch Gütesigel kann sie beschreiben. Nur wer sie einlädt zu sich, mit ihr verweilt und spricht, sie zum Abschied umarmt und später in seinen Träumen vermisst, weiß, dass es Kunst wirklich gibt.

 

Das ist Kunst 04

Wozu und warum erträumen und erfahren wir die Liebe und das Glück zu sein? Wofür die unbegreifliche Vielfalt und Schönheit der Welt? Wie kann das Leben so wunderbar aber dann für Leiden, Tod und Vergessen gemacht sein? Kunst ist beides. Not und Überfluss. Hunger und Reichtum. Verzweiflung aus Unrecht und Zerstörung, Freude aus Umarmung und Frieden. Kunst ist Weinen und Lachen zugleich.

 

Das ist Kunst 05

Wer aus der Welt tritt, so wie sie geordnet und richtig erscheint, um sich dem Wagnis des Unbekannten zu stellen, weiß weder wo noch wohin unterwegs er ist. Wer sich so aufmacht, geht über Unfertiges, nicht Angezeigtes, nicht Angemahntes. Will Erlebnis als Teilhabe. Kennt weder dessen Anfang noch Ende. Bewegt sich und ist bewegt im Geschehenden. Dasein ohne Aber. Gehen ohne Aber. Das ist Kunst.

 

Das ist Kunst 06

Zweifach Gebundenes einmal in Bedeutung, einmal in Beachtung kann nicht, was Kunst kann, mit Vögeln fliegen. Einfach Erdachtes, einfach Erkanntes kann nicht, was Kunst kann, das Haus der Liebe gründen. Wieder die ungesehene wieder und wieder Schönheit entfachen mit baumhohen Oleandern und mehr, mit warmen Händen, kann die Kunst. Entblinden das Erträumen, aus Hoffnung Dinge machen, damit den Hilflosen zu Hilfe kommen, kann sie auch.