Gedichte

Veröffentlicht am 27. Januar 2026 um 18:04

Gedichte

 

 

Es gibt keine Welt

hinter der betrunkenen Welt

nur Orte, die warten,

dass du deine Arme

versöhnend weitest,

du Augenloser, du Bauchmund.

 

 

Hungerland bewegt sich,

baut das Glückshaus.

Korngelb von oben

wasserblau danach

wie das Schauen übers Meer

soll es werden.

 

 

Die Welt ist bald ein Vogel

mit grasgrüner Brust

neublauen Augen.

Sie baut noch an Flügeln

horizontweit

hellweiss wie Brot.

 

 

Du hast mich ins Lachen gebracht.

Du hast ein weißes Sahnesamtgesicht.

Du bist das Wagnis, das Land mit Sternerand.

Ich probe deinen Samtverbund,

ich suche dein Wasser,

dein schleichendes Gut, deinen Muschelsand.

Schwimmend an den Rand deiner Irissiege

hüte ich dort deinen Schatten.

 

 

Wie es trägt und wärmt

aufs Atmende schaut

wie es die Wange berührt

die Vollmond Honigaugen

wie es die Wunde heilt

das Leuchten wie es steigt.

 

 

Weißt du noch

wie eine einzige Nacht

tausend verborgene Landschaften

über die Grenze gebracht?

Ja, ich weiß es noch.

Weißt du noch,

was am Morgen

darauf geschah?

Ja, ich weiß es noch.

Wie viele Sonnen aufgegangen?

Ja, ich weiß es noch.

 

 

Wie entlang das Wasser

entlang den Himmel

und wie entlang der Himmel

entlang das Wasser

berührst du mich.

Dunkelblau, elfenbeinern,

zärtlichlila orange,

honiggelb und maigrünsatt

ist der Himmel.

Violettschwarz, muschelsilbern,

bergblau, türkis

ist das Wasser.

 

 

Jeden Tag

möchte ich zu dir kommen,

mit dir fortgehen.

Erst leuchten

dann ganz schweigen in dir.

Mit dir ohne Unterlass

neu sein.

 

 

Weil es Glück nur gemeinsam gibt.

Weil das Ich ohne das Du

sich im Wertlosen verliert.

Weil nur aus dem Wir

Liebe entstehen kann.

 

 

So wenig werde ich auslöschen,

wenn ich es versuche,

wenn ich es versuche.

Wenn ich versuche zu lieben.

Keinen Flügelschlag

braucht die Liebe.

Durchstreifend das blaue Wasser

erkannte ich meine Not zu lieben.

 

 

Bis alles Grün ausschlägt

in einer Tausendschaft Suche

im Aufgeblumtem nach dir.

 

 

Bald werden wir die Einsamkeit

hinter uns lassen und gemeinsam sein.

Bald werden wir nach Liebe

duftende Begegnung atmen.

Bald werden wir innen zu leuchten beginnen,

bald Licht für andere sein.

 

 

Denn wer hier zögert,

dem verreißt es die Nabelschnur,

die den Leib wiegt

in absonderlicher Pracht.

Bist immer weiter als die Tierblume.

Lass mir deinen Hunger zur Gewähr.

Ich bin deine Menschengabe.

 

 

Nebenan sind neunzehn Sonnen

in den Wald gelaufen,

kein Blatt blieb

vom Lichternagen unberührt,

nur du bist in den Schlaf gehauen

als pflüge keine deinen schmalen

Kinngrund wund.

Du bist innen aufgewacht

in einem Flügelwagen.

 

 

Sollen und wollen,

müssen und können

nirgends Verbindung,

kein Muster für Hoffen,

also Handeln im Dennoch,

Helles dem Dunklen entgegen.

 

 

Die flügelnden Ströme

mit Tauen zu Wangen geflochten.

Es glänzen im Jugendgewand

prahlende Himmel,

umranden den ragenden Mund.

Sonnenfinger malen

riesigen Augen dazu.

Wassergesichter sind blau.

 

 

Wir sind mit nassen Augenrändern,

blaustaubigen Fingern,

harzige, wilde, kleine Früchte,

schmale Fliederblätter

laufend von einer Brennnessel

viperig jauchzend

für Ferse schneidende Gräser,

Umarmungen mit Prachträdern,

Berührungen gleich Mandel witternder Tagetes,

gleich Zittersilber der Birke,

Reisende,

denen hellgrüner Himmel vorauseilt,

nicht fühlend, nicht denkend,

in einer Wiege Regenbogen.

 

 

Rette das Kind, zieh den Flüchtling an Land,

lösche die Dunkelheit, baue Flügel ins Licht,

hilf den Hungernden, gib Essen und Frieden,

baue Himmel auf Erden, verzeihe und umarme,

töte nicht, beschütze,

beschütze den Nachbarn, das Tier und das Gras,

nimm nicht, gib, mach Frieden.

 

 

Leiser als das Fehlen

des Windes im Laub,

sanfter als das Steigen

des Wassers im Baum,

sanfter und leiser

möchte ich zu dir kommen

meine Kirschblüte.

 

 

Dich vermissend

könnte den Fingern leihen,

ihn aufblasen, antauen,

den Tag ausfärben

mit Schmetterlingsblau

und Korngelb

deinem,

den, der gründet

mit Lichterzug mich

ins singende Lachen,

könnte ich so wagen.

 

 

Furt über die duftprunk,

warm, weich, bewacht,

sanft, weich bewacht

Schamknospe

über die heimwärts

ich trage umneigt

Stelle, Schutz, Furt

vor der Weite

der Milch, des Honigs,

der Pfaue Raden.

 

 

Östlich im Windschutz

pranken im Duftgewölbe

die hellsten

Wasserspiel zarte Munde

mit kaleidoskopischen Kostümen,

deren Absicht Fröhlichkeit.

Erdflügel,

Hinweise das sind,

dass aufsteht Schönheit,

wenn der Himmel reierleer, schwarzergüssig,

und maulwurftief das Entblöste,

dann braucht es

Menschen, die zusammen sind.

Nichts weiter.

Nur.

 

 

Wäre ich der, der ich bin,

mit dreißig pfeifenden Aras

schlüge ich einen Wald vor dir auf

aus blühenden Honigcallas,

trüge weiche Sonnen dazu,

zöge sie deinen Schatten voraus,

damit, wenn es hungerte,

ich schauendes Kind

dich fände.

 

 

Wilder Mohn blüht,

die Birke am Wasserrand

das Schilf betrachtend

in dunklen Spiegeln

aufrechtes Kiefernrot

und Kieferngrün.

Ameisen queren den Wurzelstrang,

Wildenten tauchen.

Haselnusspollen treiben.

Altes Moos zeigt sich der Sonne.

 

 

Eine Schonung zu empfangen,

deren kristallenes Verlangen,

warten mit ausgezäumten Händen

die Neubereiten.

Schale aus deinen Hof,

beginne zu erfahren,

mit grünzartem Laub,

dass Menschenmut umarmen heißt.

 

 

Mich erwartet die Fröhlichkeit,

die helle.

Komme aus einem Loch

und gehe in den Frühling.

Singe, lache, springe ich?

Meine Augen werden

zu dir kommen.

Mein Mund wird

zu dir kommen.

Über erfrorene Fische

bin ich gegangen

bis hierher,

habe Fackeln

ins Eis geschlagen

und das Schilf betrachtet.

 

 

Feiste, nachdrückliche Wärme

im Halblied des Windes.

Schräge, eilende Blumenwörter.

Beträchtlich gesunkenes Weh.

Schmetterlingsmunde darum.

Weiße, für sich gelöste Traumblätter.

Bleibendes Weinen.

Öffnungen.

Ich trete prachtvoll ein

des Vogels Stärke wiederholend.

Die Weide glänzt.

Dreimal drückt sich das Wasser

aus Wintertiefe neu.

Lichtpfeifen treiben.

Komm auf das Boot.

Betrachte.

Schläfrig, kummervoll die Schilfgabeln.

Großgelb die Sonne dort.

 

 

Es wird Tag werden

der Kinderaugen wegen

in einer Regenbogenwiege

aus der Nacht geschoben

werden Schwalbenhände

Sonnenperlen greifen.

 

 

Kraft meines Herzens

wegsam umbitten den Morgen

der wilden Lilie Mundweiß,

handen die Maulbeerfrucht.

Flügge das Amselkind.

Schillern die Wasserfeuer,

blaublumig, malvenhoher Himmel.

 

 

Ich bin ins Muttermeer geschwommen,

das hat meiner weißen Zunge geschmeckt.

Heitere Wellen im Bauch lief ich heraus

geradewegs in die Umarmung meines Bruders.

Weißgelber Duft hockte singend im Sand.

Der Baum der Freundschaft

wird nicht umgehauen.

 

 

Alle Liebe gehört

den unsichtbaren Wangen.

Die Zeit ist kein Trinkbrunnen. 

Möglich, dass die Tauben erfrieren

in den Schimmern der Winterfelder.

Das Leben ist kein Ziehkind.

Möglich, dass die weißen Wasser

den Berg quälen,

bis er brechen muss.

Möglich, dass der Mond lacht.

 

 

Wenn lieben zu viel ist

oder auch nur mögen,

dann einfach nur lassen

nicht kaputt machen wollen

den Zierrad, den Ausschank,

den Schoss, die Freigabe.

 

 

Fürs Küssen der Stirn,

fürs Streicheln des Bauchs,

fürs blinde Atmen

den Hungerschrei auch

im roten Schaum

der Nachgeburt sein.

 

 

Kein Fingerbreites wage in die Wangen

die manteln einander sich,

die weiten das Badende ins alles Badende

im obersten Abend und baue ich Mühen an

bis Kirschen keimen und atmen

im Gezweig in beiden.

 

 

Das immerblaue Himmelstück

weckt die morgenrote Erde

mit warmer Sonnenmilch

den Aprikosenmund

mit gelbem Honigwind

die tulpenzarte Haut.

 

 

Jetzt ist prall die Pappel

und prall die Kastanie von Laub.

Die Erikas und Löwenzahn blühen.

Wie grün die Birke jetzt ist.

Wie beruhigend duftet

der Apfelbaum.

Mit den Kindern kommt Licht,

Tulpenlicht und Narzissenlicht

und Rosensprosslicht.

 

 

Weine meine Traurigkeit

in den Nachtschoss.

Öffne das Fenster.

Blas meinen Wunden Sonne auf.

Schüttle hin und her

das noch stumme Glück

zwischen meinen Backen.

Verständige mein Herz.

Der Friede kehrt zurück.

 

 

Dampf machen,

Dampf aus Kinderaugen herausküssen.

Den Wind hineinpressen

in die Nachmittagssonne

und schreien.

Das Lerchenlied überschreien

will ich.

Und nicht damit aufhören,

bis die Bachstelze los fliegt,

bis die silbergrüne Schuppe

des Hechts unterm Granit

hervorglänzt,

will ich.

Und mir einen Falter malen

auf die Stirn

und mich den Kastanienblüten zeigen

und das Land überschauen,

das ich so liebe,

will ich,

und meine Hände nicht aufhalten

nach deinem Gesicht.

 

                              

Großer Schmetterling, mein zarter Kumpan,

dessen Fröhliches mir bedeutet

deutlich Warmes gegenüber den Kriegen,

dem tausendscheußlichen Hass,

dessen finsterer Fackel mir die Freunde stiehlt,

die ich töricht liebe,

während zufällt, verbringe ich dein Leichtes,

in Strömendem bildest du mein Glück neu.

 

 

Weil du mich aufgepflügt 

am Tag des Knollenbruchs,

in Saft und Erdgeruch war

auf Haferwind und Vogelpfiff

und Sonnenriff, wo war ich nicht,

unter Linden, im Wasserwasser,

über Innen, unter Draußen,

dort wo war ich immer bewegt.

 

 

Lass mich in oleanderduftigem Schatten.

Lass mich den Holunder atmen.

Lass mich ruhen bei Kindern

mit weichen Händen, sonnenfleckigen Backen.

Lass mich in Ruhe, ich bitte dich,

wandern zwischen den Ulmen.

 

 

Jeden Tag

möchte ich zu dir kommen,

mit dir fortgehen.

Erst leuchten

dann ganz schweigen in dir.

Mit dir ohne Unterlass

neu sein.

 

 

Ich glaube an die Zärtlichkeit,

ihre Versöhnung, ihre Berührung,

ihren Abschied.

Ich glaube an das Licht,

auch das Licht des Schmerzes,

der Trauer und des Todes.

Ich glaube an den Frieden.

Mit Frieden verbinde ich alles,

was das Leben lebenswert macht,

sogar Verletzungen und Untreue

und Freiheit und Liebe.

Ich glaube an das zukünftige Lachen.

 

 

Ohne Grün stünde die Welt,

was träumte ich dann?

Wie verhielte sich der Schmerz?

Wären Mondtage vielleicht tiefere Tage

oder verhielte sich alles ungemein,

stünde die Welt ohne Grün?

Zeichen des Friedens

sind auch Zeichen des Abschieds,

widerrufliche Bekenntnisse im Abendlicht.

Ohne Werkzeuge stünde das Grün

mächtiger da, glaube ich.

Abendwind ist kein billiges Wort.

Abendwind bedeutet, ich vermisse dich.